Tagessatz? Stundensatz? Wortpreise? Warum es eigentlich völlig egal ist…

Die Texter-Szene spaltet sich derzeit in mehrere Lager, die zu jeder Zeit aufeinander losgehen, sobald auch nur ein Auftraggeber ein Gesuch nach einem Texter aufgibt. Das Problem sind die Vergütungen, die eigentlich fast immer jemandem nicht gefallen.

702664_original_R_K_B_by_Juergen Jotzo_pixelio.deDazu müssen Sie wissen: Wie in nahezu jeder Branche gibt es auch in der Texterbranche ein sehr großes Preisgefälle. Während die einen unter einem Tagessatz von 600 Euro erst gar nicht aufstehen, tippen sich andere bei Textbroker & Co. für 0,7 Cent (!) pro Wort die Finger wund. Unfeine Begriffe wie „Hausfrauenschreiber“, „Billigtexter“ und sogar „Texthuren“ fallen von Zeit zu Zeit in solchen Diskussionen, was bereits zeigt, wie erhitzt die Gemüter sind. Warum es eigentlich überhaupt keinen Grund gibt, dass sich die Parteien bekriegen, zeige ich Ihnen in diesem Blogbeitrag.

Unterschiedliche Ansprüche

Das größte Problem zwischen den beteiligten Lagern sind die oft sehr unterschiedlichen Ansprüche. Während der eine vielleicht arbeitslos ist oder sich als Hausfrau nur ein kleines Zubrot verdienen möchte, hat gar nicht erst vor, große Reichtümer anzuhäufen, sondern möchte sich lediglich die Zeit vertreiben. Der nächste Texter lebt alleine in einer kleinen Eigentumswohnung, hat nur wenige Ausgaben und ist mit 1.500 Euro Verdienst vollauf glücklich. Und dann gibt es natürlich auch noch diejenigen, die das Gefühl haben, dass sie als Selbstständiger mindestens 6.000 Euro pro Monat an Einkommen verbuchen können sollten. Angenommen, diese drei Texter würden jeden Monat gleich viel Zeit investieren, ist es ja logisch, dass dem „Billigtexter“ ein deutlich niedrigerer Preis reicht, um seine Bedürfnisse zu decken.

Die Auslastung ist entscheidend

Ich beobachte diese Diskussionen und die daran beteiligten Personen schon seit einiger Zeit und stelle dabei immer wieder fest: Die Texter, die ihre Arbeit ausschließlich auf der Grundlage von Tagessätzen jenseits der 300 Euro berechnen, sind häufig nicht ganz ausgelastet. Sie verbringen relativ viel Zeit damit, sich um die Kundenakquise zu kümmern. Diese Sorge hat der Billigtexter kaum – er findet problemlos ausreichend Kundschaft, wenn er seine Sache gut macht. Während also der günstige Texter seine volle Arbeitszeit (abzüglich von Zeiten für Verwaltung und Buchhaltung) nutzen kann, um Geld zu verdienen, arbeitet der teurere Texter deutlich weniger Stunden oder Tage gegen Bezahlung, dafür aber mehr für sein eigenes Marketing. Um dies aufzufangen, muss er logischerweise höhere Sätze veranschlagen.

Wortpreis vs. Stunden-/Tagessatz

Es gibt viele Texter in der höherpreisigen Kategorie, die der Überzeugung sind, dass Texter, die Wortpreise nehmen, einfach pauschal schlecht sein müssen – Qualität darf dabei angeblich niemand erwarten. Dabei ist ihnen nicht aufgefallen, dass dies eine reine Milchmädchenrechnung ist.

Ausschlaggebend ist im Endeffekt die Kalkulation für Freiberufler. Sie ermitteln die Höhe ihres benötigten Einkommens, mit dem sie ihre privaten und geschäftlichen Ausgaben decken können, und dividieren diesen Wert durch ihre Arbeitsstunden abzüglich der Dauer von Verwaltungsarbeiten und Buchhaltung. So erhalten sie ihren Preis pro Stunde. Anschließend entscheiden sich die einen dafür, diesen als Stunden- oder Tagessatz an den Kunden weiterzugeben. Ein anderer fühlt sich mit Stundensätzen nicht wohl und bevorzugt stattdessen Wortpreise, also Pauschalpreise. Er teilt seinen Stundensatz also durch die Anzahl an Wörtern, die er pro Stunde ist (was mitunter je nach Auftrag schwankt). Ist jedoch nun der eine schlechter als der andere? Sicherlich nicht, denn die ursprüngliche Kalkulationsbasis ist dieselbe.

Warum ich mich für Wortpreise entschieden habe

Ich persönlich rechne in den meisten Fällen auf der Basis von Wortpreisen ab. Dies liegt vor allem an der Transparenz. Rechne ich auf Stundenbasis ab, wissen Sie nie, wie lange ich tatsächlich gearbeitet habe. Über den Wortpreis sprechen wir vorher und so wissen Sie als Kunde, wie viel Sie später bezahlen müssen und ich weiß, mit welcher Vergütung ich rechnen kann. Aus meiner Sicht ist dies mehr als fair.

Ausschlaggebend sind für mich außerdem meine Kinder. Natürlich stören sie mich auch des Öfteren bei der Arbeit. Würde ich nach Stunden abrechnen, würden die Kunden unter Umständen mitbezahlen, dass ich mich mehrere Male neu eindenken muss. Ich genieße es, jederzeit während der Arbeit eine Pause für die Erfüllung meiner Mutterpflichten einlegen zu können, ohne darüber jemandem Rechenschaft ablegen zu müssen. Für den Kunden macht dies beim Wortpreis keinen Unterschied, mir verschafft er allerdings mehr Flexibilität.

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